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unentschlossen und inkonsequent …

Was mir nach wie vor fehlt ist Motivation, eine Art stille Antriebskraft, die mich aus diesem nachwinterlichen Koma (wobei dieser Zustand inzwischen wohl jahreszeitenunabhängig ist) holen könnte. Die meiste Zeit schlafe ich, oder verbringe sie schlaftrunken in den eigenen vier Wänden.

Lebensläuferisch betrachtet hat sich eine Statik eingeschlichen, der ich nicht mehr zu entkommen vermag. In bestimmten Momenten ist dieses starre Gefesseltsein hilfreich, wenn nicht sogar wünschenswert. Und dann wiederum möchte ich alle Ketten sprengen, und alles, was mich am Leben be:hindert, radikal abwerfen. Aber aufgrund mangelndener fallschirmtechnischer Begabung bleibe ich doch auf dem Boden der Realitäten. Ich will und will nicht und ich will noch mehr. Ich gleite auf einen vollkommen agonischen Zustand zu und wehre mich  kaum noch dagegen.

Tatsache ist, dass ich mir immer mehr Sachen kaufe (nicht um etwas besitzen zu wollen, sondern mich mit ihnen zu beschäftigen: ich würde sie auch gerne weiter geben, teilen, verschenken: nur an wen?): Maximalminimierungsfail also.

Ich halte mich auch weniger im Internet auf. Ob das nun gut oder schlecht ist, weiß ich nicht. Aber auch ohne Internet ist die Welt um mich herum still.

Es fällt mir schwer und schwerer, teilzunehmen, zu reagieren.

Und wenn ich mich dann –  oft viel zu spät- melde, bin ich so gehemmt und unsicher, dass ich Grenzen übertrete, mich überschwenglich verhalte, und einfach nur verstörend und abstoßend wirken muss.

Eine sehr wichtige Person meinte vor Kurzem, dass ich im Grunde genommen ein ziemlich sozialer Mensch sei. Und an Interaktion oder an zwischenmenschlichen Kontakt interessiert sei. Aber warum entziehe ich mich dann dieser Möglichkeit? Warum ist es fast nicht durchführbar, mich zu öffnen, ungehindert auf Leute zuzugehen ?

Warum taumel ich durch das sogenannte Leben, stelle mich in Opposition, und stehe immer in inneren und äußeren Widersprüchen zu mir selbst ?

Ist es wirklich nur Angst, die mich zurückschrecken lässt?

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Über midlifelover

.....++++***** ??? !!!

17 Antworten zu “unentschlossen und inkonsequent …

  1. icantcome

    Dein Text erinnert mich an den Film 2046, genauer gesagt an das Cyborg-Mädchen darin. Ihre Reaktionen kamen immer ein bisschen zu spät, es war, als lebte sie zeitversetzt.

    Ein schöner Text, auch wenn der Seelenszustand nicht schön ist.

    • Danke.

      2046 hat mich auch stark beeindruckt.
      Und ja, es kann durchaus sein, dass es da bei mir retardierende Momente gibt.

    • Dieser Seelenzustand dauert nun leider schon Monate lang an, mit leichten Abweichungen (es ist eine Art allumfassende Starre, die mich im Griff hält). Deshalb war es mir eigentlich auch nicht möglich, zeitnah auf deinen Comment zu antworten. Entschuldige bitte.

      Der Film, den du erwähnst, zählt für mich zu einem der besten, die ich je gesehen habe. Ich mag einfach diesen cineastischen, melancholischen Blick Wong Kar-Wais. Seine Filme handeln eigentlich immer von Traurigkeit und in diesem Zusammenhang auch von Einsamkeit, bieten also grundsätzlich hohes Identifikationsmaterial.

      My Blueberry Nights gefällt mir übrigens auch sehr gut. Und tatsächlich ist dieses variierende Blau meine Lieblingsfarbe, ein Blau, das oft in ein nächtliches Schwarz übergeht…

  2. Call Me Appetite ⋅

    naja nachwinterlich ist wohl noch zu früh gesagt und ich hoffe dass dieser zustand trotzdem nur saisonal bedingt ist.

    • Heute Morgen scheint die Sonne. Und für dieses Wochenende und die nächsten Tage sind steigende Temperaturen vorausgesagt. Ja, inwieweit das auf meine Psyche Einfluss nimmt, oder wie weit ich es Einfluss nehmen lasse, weiß ich noch nicht. Aber zumindest scheinen die wirklich „kalten“ Tage gezählt. Und diese innere Erstarrtheit lässt nun vielleicht auch etwas nach.

  3. Hi,
    das müsste eigentlich unter eine „About“-Seite oder was, aber ich habe dich getaggt. Näheres auf meinem Blog.

  4. All die Fragen, die du in deinem Post gestellt hast, hast du sie dir beantwortet?
    Manche davon sind so leicht, wenn du sie nicht als Lebensphilosophie betrachtest.
    z.B. „Warum ist es fast nicht durchführbar, mich zu öffnen, ungehindert auf Leute zuzugehen ?“
    Wo legt denn fest, ob du dich öffnen sollst und/oder ungehindert auf Leute zugehen sollst?

    Wenn du das nicht willst, dann musst du dich nicht öffnen, zumindest nicht in die Tiefe, und wenn du nur ge-hindert auf Menschen zugehen kannst, dann nimm das doch so an. Erzwingen lässt sich anderes nicht, allenfalls trainieren.
    Du könntest versuchen herauszufinden, ob du das in bestimmten Situationen (EIN Mensch, Menschenansammlungen, bekannte Menschen, Fremde usw.) so empfindest, oder ob sich das durch alle Bereiche zieht. Und welches Empfinden „stört“ dich genau? Versuch mal, es genau zu benennen. Musst du ja nicht hier machen, ganz für dich allein.

    Wenn du jetzt einfach deine Jacke anziehst und raus gehst, egal ob auf Felder, auf die Straße, in den Park, ins Kaufhaus, durch die Straßen… was siehst du?
    Was fühlst du?

    • Es sind immer sehr zwiespältige Gefühle, die ich bei Begegnungen mit Menschen beobachten kann. Einerseits ist da eine große innere Distanz, eine große Unmöglichkeit in der Kommunikation, was ja nun kein Gefühl ist, aber die Konsequenz aus diesem Emfinden. Ich grenze mich zu mir selbst ab, und nehme diese Abgrenzung auch bei Anderen vor: konstruiere immer feinmaschigere Kreise, die kaum Durchlässigkeit gewähren. Andererseits gibt es Menschen (auch wenn die Zahl sehr gering ist), bei denen ich das Verlangen habe, mit ihnen eine Verbindung eingehen zu wollen und mich gleichzeitig aber noch mehr isoliere, fast schon auffällig anfange zu fremdeln.

      Und immer ist es ein spiegelartiges, haargenaues Kontrollieren meiner Person durch mich selbst. Sobald ich mit Jemandem in Kontakt trete, nehme ich seine Position ein und frage mich, was er über mich denkt, wie er mich sieht. Ich bin nicht imstande, diese Handlung zu unterbinden.

      Danke für deinen sehr langen, einfühlsamen Kommentar. Und bitte entschuldige meine sehr verspätete Reaktion darauf.

  5. hungmin

    Ich habe mir das Video angeschaut. Sie kommt mir vor, wie ein gefallener Engel. Es ist traurig, sie so an den Schnüren baumeln zu sehen, wo sie doch Dimensionen überfliegen könnte. Welcher Schmerz ist vergleichbar dem, wenn man seine Liebe für immer verloren hat. Wirf Dein Leben nicht weg, schenk‘ es dem zurück, der es Dir anvertraut hat.

    • Es wäre die Frage, wen genau du meinst. Es gibt für mich keine 2. oder gar 3. Person, die mit mit meinem Leben vert(r)aut ist, dass man von einem An:vertrauen sprechen könnte. Keinen Gott und auch keine Mutter/Erzeugerin. Es ist für mich ein InDieWeltGeworfenWordenSein, so wie man -ohne gefragt zu werden-, von einem Flugzeug aus in die Tiefe gestürzt wird, ohne Fallschirm und Aussicht auf eine irgendwie noch notdürftige Landung.

      Danke für deinen Comment. Und entschuldige bitte, dass ich so spät antworte.

  6. Der Schmerz, wenn man (die Liebe zu) sich selbst verliert, ist ungleich höher, als jeder andere.
    Ich bin heute überzeugt davon, man kann nach außen nur offen und wirklich sein, wenn das Innen im Einklang ist. Wobei es das selten sein wird, aber es anzustreben, ist des Menschen Bedürfnis.
    Aber wir meinen, irgendwelchen (oft irrsinnigen) anerzogenen moralischen Grundsätzen entsprechen zu müssen, anstatt einfach zu sein, wie wir sind und uns mit unseren meist ja liebenswerten Schwächen zu arrangieren, und denen der anderen…

    Sein lassen… ist verdammt schwer.

    Auch späte Kommentare sind schön! 🙂

    • Ja, sein lassen … vor allem sich sein lassen, fällt mir verdammt schwer. Weil ich doch immer wieder tiefgradige Schwächen entdecke, die es mir unmöglich machen, mich fallen zu lassen. Dieses Innere ist mittlerweile so gestört, dass ich keine Balance herstellen kann, die mir dann zu einem leichteren Umgang mit mir selbst verhelfen könnte.

      Schon wieder so ein dilatory comment. Sorry.

      • Sich wirklich fallen lassen kann man nur im Ganzen. Und unsere Schwächen sind wie auch die Stärken Teil von uns, machen uns aus, und machen uns liebenswert.

        Ich habe den Eindruck, du siehst deine Schwächen als deinen Feind. Ja?
        Dann „setz“ sie doch mal neben dich, betrachte sie und sag ihnen dann, du magst sie zwar (noch) nicht, aber ihr gehört nun mal zusammen, also müsst ihr euch miteinander arrangieren…

        Du denkst zu viel nach… Sei einfach – Du.

        LG

      • Nachdenken ist leider ein etablierter Vorgang, den ich zwar oft versuche auszustellen, es mir jedoch auch unter größter Kraftanstrengung nicht gelingt, dabei wenn auch nur marginale Erfolge zu erzielen.

        Kann sein, dass ich mir meiner Schwächen nur allzu bewusst bin, als dass ich sie so einfach in Stärken umwandeln könnte. Ich weiß nicht, ob sie meine „Feinde“ sind, ich versuche sie zu integrieren und auch zu akzeptieren, was mir natürlich kaum gelingt.

        Ja, ich wäre zu gerne ich selbst. Ohne Lüge. Ohne Ballast.

        Danke für deinen wie immer sehr einfühlsamen Comment.

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