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Sibylle Berg: Sterben ist ein Scheißdreck …

Ich weiß nicht, was das ist, Tod. Ich war noch nicht tot. Wie alle, die noch nicht gestorben sind, habe ich nur eine Idee. Meine ist, dass der Tod sich vielleicht so anfühlt wie die Zeit vor der Geburt. Also nichts ist da. Ein absolutes, allgleiches Nichts.

 

Wenn wir nicht selbstbestimmt sterben können – was ja immer noch keine Option ist, es aber unbedingt sein müsste –, ist die Idee des letzten Tages ein Quatsch. Ich bin absolut und uneingeschränkt für das Recht, selbstbestimmt zu sterben und die dazu nötigen Mittel in der Apotheke erwerben zu können.

 

Dann möchte ich gerne im Tessin sterben, in einem Waldstück über Tegna, ein wenig von der Sonne beschienen und zusammen mit meinem geliebten Menschen. Musik ist mir nicht wichtig, es sollte nur bitte nicht regnen. Aber wenn ich es mir aussuchen kann – und ich bin mir sicher, Sie können mir den Wunsch erfüllen –, möchte ich vielleicht eher gar nicht sterben und miterleben, was mit der Welt weiter passiert. Vielleicht wird es einmal eine völlige Gleichberechtigung aller Geschlechter geben? Vielleicht werden großartige Dinge erfunden, die Menschen 500 Jahre alt werden lassen (dann würde das Anhäufen von Milliarden endlich sinnvoll und nicht obszön sein). Ach, Sterben ist ein Scheißdreck.

(aus  Sibylle Bergs Letzte 24 Stunden; Cicero, Ausgabe April 2013)

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Über midlifelover

.....++++***** ??? !!!

4 Antworten zu “Sibylle Berg: Sterben ist ein Scheißdreck …

  1. …. ich lag mal ne Woche auf intensiv, da war das Sterben nicht mehr soweit weg, ich hatte panische Angst davor, ich hatte keine körperlichen Schmerzen, weil ich Medis hatte;) aber die Vorstellung jetzt nicht mehr zu sein, war grausig..

    . ich wollte leben , aber ich spürte wirklich nur Angst, keine anderen Gefühle, einfach meine Lieben nie wieder zusehen, diese Vorstellung ist Horror gewesen und sowieso wie soll die Welt ohne mich weiter gehen, das geht doch nicht !

    … ich hoffe ich werde uralt , denn das Leben ist sooo schön !

    Der Tod ist wirklich ein Dreggsagg !

    • Wir könnten vermutlich hier eine lange Diskussion für und wider dem Tod führen. Und Angst wäre garantiert das vorherrschende Thema. Wahrscheinlich nicht nur die eigene, sondern eben auch die Angst der Anderen mit:denkend. Somit versuche ich den Kreis der Menschen, von denen ich glaube, mir gefährlich nahe stehen zu können (besonders natürlich meine Kinder) so klein wie möglich zu halten.

      Und nein: uralt möchte ich auf gar keinen Fall werden.

      Danke für deinen Comment.

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