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distracted, with[out] pain …

Ein herbstlicher Frühlingstag und schon treiben meine multiplen Neurosen wieder neue Knospen. Ganz weg sind sie natürlich nie, aber die Monate September, Oktober, November sind prädestiniert für solche psychischen Killerspiele in potenzierter Form. 

Ich grenze mich noch konsequenter aus, halte meinen Mund, setze mein poker face auf und verbrenne innerlich. Ich bin ein Streicholz, das jedes Mal von Neuem angezündet wird, die Flamme aber gleich wieder erlischt, nur um sich dann quasi selbst wieder in Brand zu setzen. Ein Kreislauf, den ich nur dadurch eindämmen kann, indem ich mich so extrem wie möglich mit möglichst vielen Dingen beschäftige, Dingen, die außerhalb meiner Person liegen:

Musik, Film, Literatur. Totale Zerstreuung …

Auch wenn ich auf einige Menschen ausgelassen und ruhig wirken mag, bin ich es in den seltensten Momenten. Ich stehe hochgradig unter Strom, brauche eine Überdosis an geistiger (aber nicht psychischer!), also vorgetäuschter Bewegung.

Nothing matters ‚cause nothing’s real.

Und da ist immer dieser Gedanke, mich aus dem Spiel zu nehmen, an den äußersten Rand zu fahren, scharf abzubremsen, mir die höchste Klippe zu suchen.

Das Einzige, was dagegen spricht, ist diese hartnäckige Sucht, immer neuen Input in mich hineinzupressen. Da ist immer noch ein Buch, das ich lesen will, immer noch einen Film  (Romain Duris und Michel Gondry sind mehr als zwei gute Gründe) den ich unbedingt sehen will, und immer noch ein Album, das ich mir anhören muss.

Ich ersetze reale Niedergeschlagenheit (gibt es eine bessere euphemistische Beschreibung ?) durch passiven Aktionismus.

Es hört einfach nie auf.

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Über midlifelover

.....++++***** ??? !!!

6 Antworten zu “distracted, with[out] pain …

  1. So nennt sich das also, passiver Aktionisums. Danke das du dem „Ding“ einen Namen gibst!Bei mir äussert sich das gerade im exzessiven Lesen uns Serien gucken…

    • Und diesem statischen Aktionismus ist es u.a. zu verdanken, dass ich erst heute auf deinen Comment reagieren kann; es tut mir Leid.
      Immer wieder nehme ich mir vor, auch etwas auf Posts deines Blogs zu hinterlassen, aber es ist dann eben leider genau diese IchStarre, die ich nicht lösen kann. Was für viele Menschen ja auf Unverständnis stößt: etwas zu wollen, es aber nicht zu können: bei mir ist es symptomatisch.

      Danke für deinen Kommentar.

      Alles Liebe,
      Frank

      • Ohnehin freu ich mich dann jetzt umso mehr über deine Antwort!Mein Verständnis hast du und ich wünsche dir, dass du einen Weg aus dieser Starre findest!

      • Danke. Wobei du ja mit ähnlichen Situationen zu kämpfen hast und ich mir deshalb wünsche, dass auch du etwas findest, an dem du dich (fest)halten kannst.
        Die Starre in mir ist ja teilweise sehr flexibel, an einigen Stellen sogar brüchig, wie Schorf, aber wenn ich daran kratze, öffnet sich wieder die Wunde der Erinnerung und daher traue ich mich nur selten, an diesen Randzonen herumzumanipulieren …

  2. Ariana

    Der Mensch versteht es vorzüglich sich abzulenken, zu beschäftigen…ich frage mich oft: Warum diese Flucht? Ist es Flucht vorm Leben, Flucht vorm Denken, Flucht vor der Wahrheit, Flucht vor Schmerz und Leid………letztlich mündet wohl alles in der Flucht vor der Leere, die der Mensch immer wieder versucht mit allem Möglichen zu füllen. Das sind nur mal ein paar Gedanken zu diesem Thema von mir, über das ich oft auch schon nachgedacht habe.

    • Flucht vor ALLEM. Bei mir ist es keine Leere (auch wenn ich diesen Begriff hilfsweise & oft fälschlich auf meine Person anwende), sondern ein wirrer RÜCKSTAU, ein Mix aus Gefühlen, Gedanken und anderen Sedimenten meiner Psyche, die mir zur Flucht verhelfen, die ja keine Flucht im Sinne von AUSBRUCH, echtem Entfliehen, sondern nur kalter Eskapismus ist: ich entziehe mich meiner Person und falle dabei unweigerlich wieder auf mich zurück.

      Ich habe leider keine Vergleichsmöglichkeiten. Aber dieses von dir angesprochene innere Vakuum, ja, vielleicht gibt es das bei einigen Menschen: jede/r ist ein anderes Ich, eine andere Insel ….

      Danke für deinen Comment.

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