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inside grave, outside hell …

Wie kein anderer aktueller Song scheint Bloody Lip meine derzeitige (sich ja eigentlich seit Jahren aufbauende) innere Anspannung auszudrücken. Ja, ich würde behaupten, dass, wenn man zwischen den Zeilen hört – auch ohne mich genauer zu kennen-, meinen ungefähren geistigen Standort bestimmen könnte. Eine Art Ferndiagnose. [ich habe gerade so etwas wie ein Déjà-lu, als hätte ich die gleichen Sätze schon mal geschrieben/ gelesen.]

Ok., das Video an sich [mir kommt es vor als würde der Mann in seiner Tieftraurigkeit Tränen vergießen wollen, so wie Sinéad O’Connor (Nothing compares to you), nur dass seine Tränen wahrscheinlich subkutan verlaufen würden] ist jetzt nicht unbedingt ambitioniert, aber allein diese großartig schlichte Textzeile: „Mabye I’m not ready for anything else“ drückt exakt das aus, was mich krankt macht, was mich hindert, überhaupt teilzunehmen, am Leben der Anderen. Mein existentielle Unsicherheit, fast jede Minute meines Daseins abwägen zu müssen, sie zu atomisieren (meine Münze hat auf beiden Seiten das gleiche Symbol, es wäre also sinnlos, sie über Irgendwas entscheiden lassen zu wollen) und aufgrund einer dann zwangsläufigen Ergebnislosigkeit zum Schluss kommen, nicht nur die Situation, sondern auch mich (und alle, die mich umgeben) verneinen zu müssen.

 

Die Außenwege sind mit bedrohlicher Stille gepflastert,  die Innenwege stufenpyramidische Fallgruben: tiefenscharf und dann doch so verschwommen, dass ich nur kleinste Nebelpunkte ausmachen kann. Ich vermute einen Fluchtweg und trete auf ein Minenfeld.

Und dabei werde ich immer misanthropischer: weil ich mich selbst hasse, denke ich, dass auch Andere mich hassen (müssen). Und manchmal möchte ich genau das der Welt zuschreien, alles mit diesem Hass überfluten, rücksichtslos alle und alles ertränken, nur um dann über dem Wasser treibende Leichen aufsammeln und in meine Arme nehmen zu können, sie in irgendeiner Weise zu trösten, sie zu reanimieren, ihnen zu sagen, dass es mir verdammt noch mal leid tue, ich über meine Tat erschüttert sei, und sie nicht wirklich tot seien, sondern ich derjenige, der schon immer in diesem Zwischenreich aus Leben und Tod pendeln würde, zerrüttet und … ich würde weinen, endlich weinen können, und diese Tränen wären wieder nur Produkt meiner maßlosen Selbstüberschätzung.

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Über midlifelover

.....++++***** ??? !!!

6 Antworten zu “inside grave, outside hell …

  1. flimmerwesen ⋅

    … das geht mir gerade sehr nahe… ich denk an dich!

  2. Hm, ich weiß nicht genau wie ich es ausdrücken soll, aber ich glaube, dass der von dir beschriebene Gedankenmechanismus nicht ungewöhnlich ist. Also, natürlich kommen nur so und so wenig Mitmenschen in die Lage, aber wenn dann.. Also, jedenfalls nichts wofür du dich schämen müsstest. Aber da rauskommen wäre schon gesünder 😉

    • Ich nehme an, dass nur Ver:rückte dieses Riesenmühlrad im Kopf, das sich unaufhörlich dreht, kennen. Die normalen Köpfe normaler Leute ecken nur selten an …

      Die Momente, in denen ich mich schämen korrelieren mit den Momenten, in denen ich irgendwie irritiert bin über Andere, wie sie es meistern, ein strukturiertes, stromlinienförmiges Leben zu führen, wobei ich mir bewusst bin, dass „der Schein trügt“, und dass es im Leben dieser Menschen auch Brüche und Augenblicke des Zweifelns und zermürbenden Nachdenkens gibt; im Grunde genommen ist dieses von Vorneherein „jeden Denkschritt in noch kleinere Denkschritte zu zerlegen“ jedoch sehr anstrengend …

      Apropos „schämen“, also wirklich schämen: deine mail und meine unfertige Antwort liegen bei mir seit nun fast einem Jahr in meinen MailEntwurfsKonto 😦 Und jedes Mal, wenn ich ihnen begegne, und mir vornehme, ad hoc, ohne „Wenn und Aber“ weiterzuschreiben, kommt etwas (eben mein Kopf) dazwischen, und ich kapituliere … warte stattdessen auf den wahren und einzigen Moment: sorrysorrysorry.

      • ach, das macht doch gar nichts.
        Schämen ist deshalb unnötig, weil jedeR nur innerhalb seiner Ressourcen funktionieren und handeln kann. Lieber öfter mal sowas denken: „Trotz meiner schwierigen Vorraussetzungen habe ich [das und das] getan.“

      • Vielleicht ist „Schämen“ das falsche Wort, aber es macht mich traurig und beklemmt mich, dir immer noch nicht zurück geschrieben zu haben.
        Dein letzter Satz sollte zu meinem täglichen Mantra werden. 😉

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