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der herbst, meine lieder …

Wenn ich die letzten Tage mit nur einem Wort beschreiben müsste, würde ich vermutlich verwahrlost wählen, in jeder Hinsicht. Wobei dieser Begriff trotz allem lediglich einen Teil meiner Kondition erfassen würde. Ich bin verwahrlost, gleichzeitig aber auch fast versteinert, und immer wieder den Tränen nah, die Grenze zur tatsächlichen Eruption erreiche ich nie. So widersprüchlich es klingt: es macht mich traurig, nicht (mehr) weinen zu können. Kann sein, dass mich die Fragen, die wie große Schneeflocken meine Gedanken umwirbeln, empfindungsschwächen. Irgendwann werden diese Flocken dann zu einer Lawine, die mich unter sich begräbt. Was ebenfalls paradox erscheint, weil ich es trotzdem  nach wie vor schaffe, Luft zu holen, zu atmen, obwohl der Sauerstoff immer knapper wird.

Dabei kommt es mir so vor, als ob Jemand, der mir rein äußerlich ähnelt, stellvertretend mein so genanntes Leben führt. Dieser Jemand ist ein Fremder. Wenn ich ihm gegenüberstehe und in die Augen blicken will, ist da erstmal nichts, in meiner schöngefärbten Einbildung dann höchstens zwei abgrundtiefe Löcher.

Und manchmal denke ich an ein Zitat von S. Freud, das sinngemäß lautet, dass Liebe Heimweh sei, und dann frage ich mich sofort, was das überhaupt ist, diese Liebe und dieses Heimweh und ob ich jemals geliebt habe, ich meine so absolut, aus vollster Überzeugung. Ob ich dieser Empfindung würdig bin. Und dann vermute ich, dass man im Grunde genommen im Liebenden immer sich selbst finden will, weil man Angst hat, sich zu verlieren, und dass es so etwas wie selbstlose Liebe nicht geben kann, weil jede/r auf Umwegen im Nächsten sich selbst sucht. Vielleicht ist das partiell menschlich, also egozentrisch so zu denken und möglicherweise gehöre ich zu dem exklusiven Kreis dieser verdammt gewissenlosen SichSelbstSucher. Auf alle Fälle schwingt ununterbrochen dieser Zweifel mit: an jedem und allem. Ich kann nicht eine Minute etwas aus dem Bauch heraus entscheiden, gleich drängt sich mein Kopf dazwischen, penetriert mein Handeln oder sperrt mich ein. 

Und doch weiß ich, dass es Momente gab, in denen ich mich in Liebe hingeben konnte. Schwerelos war und mich im Anderen auflöste, gar nicht mehr auf der Suche nach diesem Ich war, sondern uneingeschränkt loslassen konnte.

Irgendwann kam der Augenblick, in dem die Macht meiner Gedanken alles vergiftete , in dem ich Alles in Zweifel zog, Alles verneinte, mich für falsch hielt, für einen großen Lügner …

Mutmaßlich, ein selbstentzündlicher Teufelskreis.

It’s always the same, also lassen wir das.

Dieser Eintrag sollte ursprünglich auch davon handeln,  welche Ausweichmanöver ich in diesem Herbst unternehme , um jene mentale Autokorrektur zu überlisten, meine Gedanken, zumindest in einigen Momenten zu umschiffen und … ich abstreben kann, ein unverfälschtes Ich zu sein…

Das Einzige, was ich am Herbst mögen könnte, wäre die früher einsetzende Dunkelheit, der leichte bis schwere Regen, dem ich während der kurzen Strecken, die ich mit meinem Fahrrad zurücklege, ausgesetzt bin; die Kerze, die ich, sobald es dunkel wird, anzünde, und deren Licht dann Schatten auf mich wirft. Meine erste Orange, die ich angemessen feierlich schäle, deren Stücke ich so lange kaue, bis sie einen wirklich bitteren Geschmack annehmen …

Hauptsächlich sind es die Lieder, die mich begleiten, die mir vielleicht Trost spenden könnten, und dann doch wieder an eine vergangene Zukunft erinnern … Ich höre diesen Liedern zu und vermeide, mich darin zu projizieren.

[Die einzelnen Songtitel lassen sich anhören. Mit einem Klick gelangt man automatisch zu den entsprechenden YouTubeClips:]

1. k.d lang & bahamas / lost in the light

2. grizzly bear/ ready,able

3. the head and the heart/ shake

4. röyksopp & susanne sundfør/ running to the sea

5. bessie smith/ need a little sugar in my bowl

6. paul simon/ homeward bound

7. alela diane/ about farewell

8. randy newman/ feels like home

9. hilary hahn & hauschka/ draw a map

10. cecile mclorin salvant/ nobody

11. sidsel endresen/ shadows in the rain

12. mercury rev/ opus 40

13. the grates/ sweet dreams

14. clare and the reasons/ colder

15. valerie june/ the hour

16. forest swords/ the plumes

17. billie holiday/ fine and mellow

18. chiara mastroianni & benjamin biolay/ chanson de la pluie

19. max prosa/ im stillen

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Über midlifelover

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