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Das fremde Meer [2]

Die Zeit ist ein ernstzunehmender Gegner.

Vor allem nachts fühle ich mich von ihr überwältigt. Ich versuche zu lesen, kann mich aber nicht konzentrieren. Weil ich mich selbst nicht denken hören will, kaufe ich mir Hörbücher, die ich stundenlang laufen lasse. Eine Weile funktioniert es. Gleich, ob Männer oder Frauen mit hellen oder dunklen Stimmen zu mir sprechen, nach wenigen Sekunden verschließt sich etwas in meinem Kopf. Weder dem Erzählten noch meinen eigenen Gedanken kann ich länger folgen, hänge fest in einem Netz, einem Gewirr aus Worten. Letztendlich sind aber auch die Hörbücher nur eine Notlösung. Irgendwann kommt immer der Moment, wenn eine Geschichte zu Ende erzählt wurde und ich mich wiederfinde in meinem eigenen Leben, über das ich nichts wissen will.

(Katharina Hartwell: Das fremde Meer, Berlin Verlag, 2013)

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