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induktiver normalismus …

Irgendwas passiert immer. Auch wenn man sich dessen nicht voll bewusst ist und man glaubt, dass sich jeder Tag gleichförmig, also gleichförmig langatmig und langweilig gestaltet, und dass man die Strecke, die man zwangsläufig dabei zurücklegt, nur ein paar Schritte in eine unbestimmte, wahrscheinlich falsche Richtung weist.  So geht es mir jedenfalls. Und trotzdem gibt es kleine Brüche in diesem Systemalltag. Momente, die anders sind, und somit in gewisser Hinsicht auch wertvoll und nicht nur negativ besetzt.

Die Stunden, die ich mit meinen Kindern verbringen kann, z.B., auch wenn es ein unberechenbarer Rhythmus ist: nicht nur was bestimmte Tage (Tageszeiten) und Nächte, sondern auch ganze Wochen betrifft, die perforiert werden. Tatsächlich ist es schon vorgekommen, dass ich meine Kinder drei oder vier Wochen lang nicht sehen konnte (insbesondere in den Sommerferien) und ich mich komischerweise während dieser Zeit auch an ihre Abwesenheit gewöhnte: sie sind dann wie ein Hintergrundgeräusch, etwas sanft Pulsierendes, das  irgendwann wie selbstverständlich dazugehört, nur wenn dieses Rauschen zu einem Tinnitus anschwillt, entstehen schlagartig Verlustängste und ich werde mir bewusst, dass es da zwei Menschen gibt, die auf unumstößliche Weise mit mir verbunden sind.

Und dann ist es so, dass ich mich an einem leeren Ort wiederfinde, ohne emotionale Versorgungseinheit, vollkommen abgeschnitten und in meiner Verzweiflung stelle ich mir dann vor, wie es wäre, wenn ich keinen der beiden jemals wiedersehen könnte…

Meine Kinder, das ist der inner circle. Daneben gibt es Menschen, die zwar nicht unmittelbar und so einmalig hochgradig mit mir connected sind, die aber dennoch in gleicher Weise unersetzbar sind. Auch wenn dieser Kreis dann aufgrund meiner Ängste und dieser pathologischen Vereinsamung immer exklusiver wird.

Vielleicht hat das alles mit der Entscheidungskompetenz, mit einer fehlenden Kontrollinstanz zu tun: ich lebe in Symbiose mit mir selbst: alles eine sehr komplexe, träge Struktur: je suis verängstigt … menschenscheu und von daher nicht jedes Mal sofort handlungsfähig, eine Billardkugel die von einer Bande zur nächsten rollt und nie einlocht.

 

Außer mit meinen Kindern und den Telefonkunden findet praktisch keine Kommunikation statt.

Unabhängig von diesen novembermilden Tagen geht also heimlich, still und scheiße meine Welt unter, immer wieder aufs Neue, unterbrochen durch some quality time (der ich mir sehr bewusst bin, die aber in keinem Verhältnis zu den ins Leere laufenden Aktionen steht).

Die Menschen, die ich liebe und die mir ans Herz gewachsen sind, bleiben somit auf der Strecke.

Ich schaffe diesen Kampf mit den Worten einfach nicht mehr. Worte suchen (trial & error) und dann doch zu dem Ergebnis kommen, dass jede im Entstehen begriffene Silbe unzulänglich sein muss, angesichts der sowieso schon vorhandenen Sprachlosigkeit. Dass man aber in bestimmten Situationen einfach nicht mehr schweigen kann,  sich  jedoch kein ansatzweise erfolgversprechendes , nonverbales tool findet, das sich äquivalent entgegensetzen ließe …

intractable.

 

 

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Über midlifelover

.....++++***** ??? !!!

2 Antworten zu “induktiver normalismus …

  1. ♥ ♥ so schön geschrieben, spricht mir aus dem Herzen ♥ ♥

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