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underestiweight …

Seitdem ich eine Waage besitze, ist es schon fast zwanghaft geworden, mich jeden Morgen nach dem Duschen zu wiegen. Auch einen kurzen Blick in den Spiegel zu riskieren, um festzustellen, dass sich so langsam ein weicher Schatten auf meine Wangenknochen legt, und mein Gesicht schärfere Konturen erhalten hat.

Wenn man nach einigen BMI:Rechnern geht, habe ich nun sogar leichtes Untergewicht. Wobei ich diesem Kontrollinstrument misstraue, so wie ich alles anzweifele. Jedenfalls liegt mein Gewicht momentan bei 69,3 kg (bei 1,80 cm; auch das irritiert mich:  wie gut geeicht ist so ein digitales Messgerät ?; außerdem ist vielleicht auch der Zeitpunkt entscheidend: inwieweit ich dem Ergebnis trauen kann, und inwieweit es beschönigt ist, wenn ich mich quasi auf nüchternen Magen auf die Waage stelle, oder mittags/abends?).

Jedenfalls esse ich jetzt noch bewusster, auch wenn ich vorher selten aus Hunger oder reiner Gier etwas verschlungen habe, so ist Essen für mich immer schon ein sehr intensives, und auch exzessives Vergnügen gewesen. Es gab Zeiten, da dienten mir Chips, Schokolade und andere Suchtmittel als Kompensation, ich weiß nur nicht für was:  Liebe, Aufmerksamkeit, Einsamkeit …

Es ist so, dass ich mich etwas besser ertragen kann, es aber immer noch seelische Schluchten gibt, die ich besser nicht betrete. Situationen, die, auch wenn sie immer wiederkehren, mich hilflos zurücklassen, Situationen, in denen ich statt verhältnismäßig zu reagieren, hyperagiere, ungerecht werde, mich verschließe, vor Tatsachen, vor Menschen.

Mein Gewicht kann (s)ich ändern, meine innere Fassade bleibt standhaft …

 

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Über midlifelover

.....++++***** ??? !!!

15 Antworten zu “underestiweight …

  1. Spiel dieses Spiel nicht, dabei gibt es nur Verlierer. Außerdem darfst du nicht dahinschwinden, sonst erlebst du meine Antwort auf deine Mails nicht mehr, die irgendwann zwischen morgen und der Entwicklung von schwebenden Autos eintreffen könnte. so genau weiß ich das auch nicht, trotzdem solltest du noch genug Verstand haben, um dann deine Mails abrufen zu können (Man hungert sich das Gehirn weg).

    • Noch kann ich hier keine hoover cars entdecken, aber vielleicht hab ich ja auch wieder diesen Tunnelblick. Irgendwie habe ich auch Angst, deine potentielle Mail gelöscht zu haben (diese Panik ist immer da, da mein Mailaccount jeden Tag – wieso auch immer- aufs Neue zu explodieren scheint).
      Ansonsten ist es so, dass ich mich nur noch einmal in der Woche wiege (am Freitag), um nicht vollkommen von diesen Zahlen besessen zu werden. Mein Ziel ist es, ein Höchstgewicht von 66 kg zu erreichen, und es dann auch zu halten. Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg …

  2. extremophil ⋅

    Schmeiß die Waage weg.
    Einschub: Ich habe gerade angefangen zu viel nachzudenken und jetzt kommt der Physiker durch und niemand muss das hier lesen, aber: Es ist irgendwie total irrsinnig, sich mit Personenwaagen zu wiegen in der Hoffnung, etwas über seine Masse zu erfahren, da eine Waage bloß eine erfasste Kraft über einen Faktor (Erdbeschleunigung) umrechnet in eine Masse, eben jener Faktor ist aber ortsabhängig, da das Gravitationspotenzial mit 1/r skaliert, sodass die Waage uns auf dem Mount Everest eine andere Zahl anzeigen wird als im eigenen Badezimmer. Dass sie das eigene GEWICHT erfasst, stimmt durchaus, die daraus errechnete Körpermasse kann aber falsch sein. Und hm… Eine Waage kann sehr wohl Gewichtsdifferenzen anzeigen, solange Du sie am selben Ort stehen lässt, weil das Erdschwerefeld konservativ ist und wahrscheinlich weiß hier gerade niemand mehr, was ich meine, aber das ist okay, Käsekuchen.

    Und ja, Autophagie von Gehirnzellen gibt es wirklich.

    • Über dieses Thema haben wir uns glaube ich, schon sehr ausführlich ausgelassen ;-). Und ja, es ist ein Wahnsinn, kontrollierter Wahnsinn, den ich aber nicht allein von der Waage und dem dort angezeigten Gewicht abhängig machen will, sondern auch von meinem Gefühl für äußere/innere Balance (was, so formuliert, grenzwertig bescheuert klingen mag, aber eine andere Erklärung für meine Aktion kann ich dir spontan leider nicht geben…)

  3. blackeyedphoenix ⋅

    ich musste vor 2 wochen meine waage wegschmeißen und werde nur noch in der therapie gewogen. das war ein harter schritt, aber ich glaube, so ist es besser…

    • Inzwischen wiege ich mich nur noch ein Mal in der Woche. Was nicht heißt, dass ich mich nicht ständig mit dem Thema „Gewicht“/“Abnehmen“/“Hunger/n“ beschäftigen würde. Ich versuche einen einigermaßen „gesunden“ Standpunkt einzunehmen, wobei ich natürlich diesen multiplen Blickwinkel aufrechterhalte; als direkt Betroffener geht es wahrscheinlich auch gar nicht anders.
      Und was das Vergleichen von BMIs angeht: ich setze mich (un)bewusst oft in Beziehung zu anderen Menschen und deren Körper. Das ist aber schon immer eine Manie von mir.

      • blackeyedphoenix ⋅

        das kann ich voll und ganz nachvollziehen :/

      • Danke. Ich halte es für wahrscheinlich, dass wir uns in bestimmten Dinge ähnlich sind, gerade was Denken und Fühlen, diesen ganzen inneren Wahrnehmungsbereich (wobei sich da die Frage stellt: ob es so was wie ein ausschließlich äußeres Empfinden überhaupt geben kann), betrifft …

  4. blackeyedphoenix ⋅

    übrigens habe ich ungefähr den gleichen bmi, fiel mir gerade auf. hmmm, wahrscheinlich ist es auch nicht ganz gesund, das gleich wieder nachzurechnen und zu vergleichen :O pass bitte auf, welchen weg du wählst.

  5. @extremophil: Schäm dich, seit einem Jahr fast nicht gebloggt! Ich vermisse dich!!
    (Sorry für den themenunzugehörigen Kommentar-Spam, Frank)

    • extremophil ⋅

      Ich bin ja noch hier und lese und kommentiere alle zwei Monate mal, aber zu erzählen haben ich nicht mehr wirklich etwas, sorry. Und wenn, dann kriege ich meine Gedanken nicht anständig ausformuliert und es wäre oft einfach nur mehr ein gewisses social justice Geblogge und das mag ich mir selbst und allen anderen eigentlich ersparen. o: (Sollte es sich allerdings jemals zutragen, dass ich irgendwo in irgendeiner Form weiterschreiben mag, sag ich Bescheid.)

  6. Der BMI ist längst nicht mehr die Empfehlung, als die sie anfangs galt. Außerdem, was hilft der beste BMI, wenn du dich tagaus tagein unwohl fühlen würdest wegen ihm?!
    Je mehr man auf etwas penibel achtet, desto mehr läuft man Gefahr zu übertreiben.

    Weißt du. m.m., diese seelischen Schluchten kennen wir alle, vielleicht in unterschiedlich ausgeprägten Tiefen. Sie sind mitunter recht belastend, nehmen manchmal die Luft, die Kraft und die Freude. Aber es ist zugleich auch immer die Chance, seinen Weg zu ändern oder eine neue Chance zu ergreifen.
    Solange immer noch eine Möglichkeit bleibt, etwas zu ändern, solltest du an finale Schritte nicht ernsthaft denken.
    Du siehst doch, du kannst dich jetzt besser ertragen. Wer weiß, vielleicht magst du dich eines Tages sogar wieder. *lächel*

    liebe Grüße

    • Die Gefahr der Übertreibung, oder Übersteuerung ist ja so das grundlegende Problem bei mir, also ganz unabhängig vom Gewicht.

      Hm, und diese psychische Abgründigkeit ist bei mir ein sehr dehnbarer Zustand. Ich denke, dass ich noch keine echte Leidensgrenze erreicht habe, ich bin immer nur kurz davor.

      Ob ich mich jemals mögen werde, wohl nicht, aber ich muss sicher lernen, mit mir und meinen Unzulänglichkeiten zu leben. Da eine gewisse Akzeptanz meiner Person zu erreichen. Einfach zu wissen, wer ich bin. Ach, das hört sich jetzt alles viel zu banal an …

      Danke für deinen Comment.

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