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„am liebsten würde ich dich jetzt schlagen“ …

Zugegeben, meine Einsamkeit ist oft schlecht zelebriert, irgendwie nur halb gut in Szene gesetzt: on stage, im klassischen Schwarz gekleidet, mein Ego in einem pathetischen Einpersonenstück/ im Zuschauerraum: mein gut gepolstertes Ich, sonst niemand.  Ich brauche das ab und zu. Um mich noch einsamer zu fühlen. Um aus dem Stand heraus das Alles noch zu toppen,  eine Art Superlativ erreichen zu können: maximales Selbstmitleid plus imaginäre Tränensintflut (wann habe ich das letzte Mal geweint? don’t know).  Um mich so richtig niederschäumend scheiße zu fühlen und mich in meiner AlleinAllein:Suade zu suhlen. Krankes Ich. Dann ein paar mea culpa gestottert, um mir am Schluss vergeben zu können.

Es kam mir wie ein Spiel vor. Bisher. Jedenfalls hat es sich angefühlt wie etwas, das ich im Griff haben und jederzeit kontrollieren könnte.

Inzwischen habe ich einen Punkt erreicht, der dieses Drama  zur bitteren Farce werden lässt. An den Rändern zerfasere ich. Da hat sich ein Knoten in der Körpermitte gebildet, der einfach nicht mehr weg gehen will.

Kommunizieren fällt auch immer schwerer. Das Alleinsein hat meine ansonsten schon niedrige Sprachkompetenz noch weiter herabgesetzt. Man versteht mich nicht mehr, ich verstehe nicht(s) mehr. Meine Worte brechen -schon während sie in meinem Kopf geformt werden-, auf, und sobald ich anfange zu sprechen, zerplatzen sie wie eitrige Seifenblasen von den Augen des vermeintlichen Bystanders.

Um ein konkretes Beispiel zu geben. Vor drei Tagen kam es zwischen Alice und mir zu einer dieser kommunikativen Kollisionen. Wahrscheinlich von mir heraufbeschworen, es war ein günstig ungünstiger Moment. Alice saß in ihrer Küche, löffelte Suppe, vertiefte sich dabei in einen BestsellerKrimi (allein schon Zeuge dieser Doppeltätigkeit sein zu müssen, ließ mich passiv-aggressiv werden). Ich weiß gar nicht mehr, wie genau diese Gesprächsanordnung fehlgeleitet werden konnte, und wie es dazu kam, dass sich Alice plötzlich nicht mehr am Tisch befand, sondern in einem Abstand von  4 Metern vor mir stand, immer erregter wurde,  und schließlich mit brüchiger Stimme, aber merkwürdig gelassen meinte, dass sie mich nun am liebsten schlagen würde. Eine Aussage, die auch überhaupt nicht zu ihrer relaxierten Körpersprache passte , völlig asymmetrisch wirkte und ich daraufhin sofort komisch lächeln musste. Alice war natürlich überzeugt, dass ich sie nicht ernst nehmen würde, aber wie sollte ich ihr auch erklären, dass es nur ihre Sinneshaltung war, die mich zum Grinsen brachte.

Es kam zu keinem weiteren verbalen Austausch. Alice verließ  die Küche, ging einkaufen und als sie zurückkam, ignorierten wir uns.

Same as it ever was.

Alice und ich, wir existieren beide in unseren Neverlands. 

Wir werden es wohl nie schaffen, unbelastet miteinander zu sprechen.

 

 

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.....++++***** ??? !!!

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