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in der finsteren Welt: ein gebrochener Kreis …

Ja, kann sein, dass The Broken Circle (Breakdown)  aufgrund meiner überzogenen Erwartungshaltung von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Objektiv betrachtet ist der niederländisch/belgische Film unverhohlen amerikanisch und erinnerte mich  thematisch (zumindest was die Musik, das Setting , die Protagonisten, und selbst die RückblendenMechanik angeht) oft an Walk the Line. Ok, erstmal keine schlechte Referenz. Aber es ist eben dann doch nur eine bildästhetisch gut gemachte Kopie wie ein eigenständiges Werk: well conceived, badly made.

Es gibt möglicherweise ein paar  interessante Szenen, besonders gegen Ende, aber irgendwie hatte ich während des gesamten Films trotzdem  diese ständigen Walk the Line- „Cash/Carter“- Déjà-vus: Country-Musik als tragendes Storytelling-Element und dann diese beziehungsschweren Konflikte zwischen den Hauptdarstellern; sogar die Bühnenauftritte der Beiden (ein dort ähnlich wie in Walk the Line stattfindender Eklat): alles so schrecklich look-alike …

Dass dem Ganzen als dramatisierenderes Moment der frühe Tod der Tochter des CountrymusikPaares zugemutet wird (es klingt zynisch, aber ich habe  diesen Sterbeprozess als sehr kitschig und fragwürdig empfunden, er war eindeutig zu dick aufgetragen und wurde dann auch metaphorisch ausgereizt: wenn zum wiederholten Mal  ein Rabe, der im Flug gegen eine Glaswand prallt, abstürzt und (womöglich) stirbt und daraus eine quasi-philosophische Verbindung zum Ableben oder Tod der Tochter heraufbeschworen wird, dann …), ließ mich dann emotional auf noch größere Distanz gehen.

An CallMeAppetite, der mir diesen Film ausdrücklich ans Herz gelegt hat, und den ich (erneut) enttäuschen muss, geht jedenfalls ein aufrichtig-aufrichtendes TutMirLeid.  Der TheBrokenCircleSoundtrack hingegen, den ich mir vor der DVD zugelegt hatte (daher die Vorfreude auf das Hauptwerk),  funktioniert auch ohne die entsprechenden Bilder.

Im Endeffekt ist es wahrscheinlich so, dass ich aufgrund meines hohen Filmverbrauchs (eine Art professionalisiertes Amateur-Gucken, um mein chronisches Alleinsein zu verleugnen: ein tägliches 3 bis 4stündiges Projekt einsamer Begierde, definitiv nicht zur Nachahmung empfohlen) überaus abgeklärt geworden bin, so resistent, dass ich vermutlich gar nicht mehr merke, falls mich etwas (ganz egal, ob books, movies, music) bis ins Mark erschüttern könnte und ich auch manchmal Schwierigkeiten habe, differenziert zu ergründen, weshalb mich etwas berührt oder kalt gelassen hat.

Außerdem finde ich: selbst wenn ich den hohen Prozentsatz der wirklich schlechten Filme abziehe,  gibt es immer noch zu viele gute und zu wenig herausragende Filme.

Die große Überraschung, und das wider Erwarten, weil der wirr zusammengebastelte Trailer abschreckend und peinlich war, mich dann aber das Script von Frauke Finsterwalder und Christian Kracht (Ironie des Schicksals: er ist gebürtiger Schweizer! und schreibt hier eindrücklich über deutsche Befindlichkeiten) wegen seiner literarischen Qualität und der klugen Erzählstruktur doch enorm begeistern konnte: Finsterworld.

Der Film ist alles und nichts, und das in potenzierter Form: RoadMovie,  AntiMärchen, Liebes- und Hassgeschichte, EnsembleFilm, deutsche Vergangenheitsbetrachtung. Über das unerträglich Gute und Böse im Menschen. Mit kühlem, aber nie kaltem Blick.  Surreal, obsessiv, verstörend traurig. Ein Film für FußFetischisten, FurryInteressierte, Einsiedler und potentielle Misanthropen.

Eine notwendige Zumutung, die hoffentlich in der Einsicht mündet: wir sind alle Finsterworlder, auch wenn wir es vermeiden wollen.

 

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Über midlifelover

.....++++***** ??? !!!

4 Antworten zu “in der finsteren Welt: ein gebrochener Kreis …

  1. bullion

    Danke für die Tipps! Klingt alles sehr interessant – und dabei doch so unzugänglich, dass ich wohl erst einmal nicht reinschauen werde…

    • Bitte. Lass dich bitte nicht zu sehr von meiner negativen bzw. positiven Kritik leiten. Bei mir ist Film immer ein sensitives Ereignis, das von (vor)vergangenen Ereignissen überblendet und begleitet wird, oft so stark, dass ich entweder in völlige Negation oder in absolute Begeisterung falle.

  2. Call Me Appetite ⋅

    naja, das mit walk the line resp. johnny und june ist schon so, gebe ich dir recht, nichtsdestotrotz, mich hat der film echt berührt und auch diese vogel szene passt halt irgendwie in den film. sie, die „spirituell“ angehauchte, er, irgendwie halt doch der „realist“…. nun gut, ich bin auch kein cineast 🙂

    • Es tut mir auch jetzt noch Leid, dass The Broken Circle so schlecht bei mir wegkommt. Liegt sicher hauptsächlich an diesem übersteigerten Filmkonsum. Ich habe diesbezüglich wahrscheinlich schon Unmengen Bildmaterial im Kopf abgelagert, das dann immer wieder Vergleiche hervorruft. Dennoch bin ich -genau wie du- noch lange kein Cineast, nur jemand „der Filme guckt“, viele Filme.

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