the song remains the same …

Durch diesen, zugegeben schon etwas älteren  Paul Simon Artikel  bin ich heute wieder auf Edie  Brickell aufmerksam geworden. Edie Brickell hatte Anfang der 90er Jahre (letztes Jahrhundert also) ein hochgelobtes  OneHitWonderAlbum. Es war zu der Zeit, in der ich Alice kennen- und lieben lernte. Und Shooting Rubberbands at the Stars war unser Soundtrack. Lieder, mit denen wir den Grundstein unserer Beziehung legten.

Bald aber entwickelte sich nicht nur unser Musikgeschmack in gegensätzliche Richtungen. Aber vielleicht fing damit alles an. Mit fehlenden musikalischen Schnittpunkten. Immer mehr Fremdworte flossen in unsere ehelichen Alltagsgespräche ein. Nach und nach verstummten wir dann ganz. Kein Song, der uns wieder zusammenschweißen konnte.

Schon  nach dem Aufstehen, kurz vor 7.00 Uhr tappte Alice schlaftrunken ind die Küche,  zum Radio  und stellte ihren Sender ein. Es war meist Radio Gong. Anfangs noch so, dass man sich dabei unterhalten konnte. Irgendwann war dann kein Gespräch mehr möglich. Ja, wenn man die wöchentlich ansteigende Lautstärke des Radios als Gradmesser unserer immer tiefer in die Brüche gegangenen Beziehung ansehen möchte, dann war unsere realtionship schon nach 5 oder 6 Jahren unter dem Tiefpunkt geraten.  Nur meine Scheuklappen und meine Naivität haben mich daran gehindert, das wahrzunehmen.

Stattdessen ging ich jedes Mal zum Gegenangriff über. Morgens war ihre Zeit, nachmittags und abends war ich dran. Ihr Schlachtfeld war die Küche, meins das Wohnzimmer. Ich drehte dort die Anlage so auf, dass der Boden vibrierte. Gainsbourg, Lou Reed, The Tempations, Springsteen unplugged. Hm, ich war damals noch nicht richtig Indie. Aber es reichte, um sie in chloerische Zustände zu versetzen. Wenn es ihr zu viel wurde, rannte sie zur Anlage und stellte sie wütend aus. Ich hatte gesiegt. Meine Musik hatte gesiegt. Auch wenn es sich nicht so anfühlte.

Songs and Lovers, ein unendliches Thema. Vor kurzem fragte mich Zoe, ob ich mich noch an das erste gemeinsame Lied erinnern könnte. Hm, nicht so richtig. Das hat mich traurig gemacht. Es war Damian Rice  „9 crimes“. Zoe und ich hatten viele  musikalische Matchpoints. Zu viele. Wir waren uns, was Musik betrifft immer einig. „Kennst du das schon?“ oder „Was hörst du gerade ?“ so fängt auch heute noch eine Kommunikation zwischen uns an. Vielleicht kann ich sie deshalb auch so schwer vergessen.

Meine Nächste und hatten zwar keine Lieder, die wir direkt miteinander teilten, aber dennoch stellten wir immer wieder fest, dass es Lieder gab, die wir beide gut fanden. Leonard Cohens „Hallelujah“, Suzanne Vegas  „Tom‘ s Diner“.  Und noch ein paar andere. Sie liebte auch Andrew Lloyd Webber MusicalMusic. „Don’t cry for me Argentina“. Und am Schluss hab ich dann auch  fast geweint. Nicht wegen dem Song. Aber das ist eine andere Geschichte. Nicht erzählbar…

Ja, Menschen kommen und gehen. Was bleibt sind ihre Lieder. Die Lieder, die wir einst mit ihnen geteilt haben. Ein gemeinsamer fingerprint, der für immer bleibt …