Ziemlich beste … deutsche Filme

Deutsche Filme sind meine Problemzone. In der Schule wurden wir zwangsverpflichtet, Die Blechtrommel zu gucken (ein allzu oft abgespieltes Video in schlechter Ton- und Bildqualität), wobei mir nur die Brausepulver-Umkleidekabine-Sequenz und der Close Cut eines am Strand liegenden und von  Aalen (?) umfressenen Pferdekadavers (?) in traumatischer Erinnerung geblieben ist.  Seit diesem Schlöndorff-Schock tue ich mich mit dem Deutschen Film schwer. Es ist beinahe aussichtslos, unter der Flut von nichtssagenden Komödien oder den immer wieder staatlich geförderten Prestige-Objekten Interessantes zu finden, das über das Niveau ausgereizter Klischees hinausragt.

Unterm Strich waren die 1960er  Karl-May, die 70er R.-M.-Fassbinder, die 80er Otto und die 90er und leider auch die 2000+er Jahre die Schweiger-Schweighöfer-Dekaden. Alles in allem – im Gegensatz zum glitzernden (New) Hollywood-Welt-  farblose, dumpfsinnige Unterhaltung, die oft zum Fremdschämen und Gar-nicht-erst-ins-Kino-gehen einluden.

Nachdem ich lange Zeit nichts von deutschen Produktionen wissen wollte, gab es in den letzten Monaten eine kleine Kehrtwende. Neben den immer noch unerträglich vorhersehbaren, überhaupt nicht lustigen Komödien und schrecklich überkonstruierten Dramen gibt es nun ein paar Geschichten, die ich für äußerst sehenswert halte:

 

1. Wir wollten aufs Meer

2. Poll

3. Unten Mitte Kinn

4. Jasmin – Die Geschichte einer Depression

5.  3 Zimmer Küche Bad

6. Barbara

7. DreiLeben

8. Das weiße Band

9. Sturm

10. Scherbenpark

11. Die Summe meiner einzelnen Teile

12. Finsterworld

13.  23 – Nichts ist so wie es scheint

14. Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden

15. Allein

 

Wie steht Ihr denn zum deutschen Kino? Was sind Eure Erfahrungen, Favoriten, schlimmsten Filme, etc.?

 

don’t look back in anger [movies/ tv-series 2014]

Jahresendspurt. Bei dem so vieles auf der Strecke bleibt. Und auch wenn ich so zurückblicke, auf diese 12 Monate, erscheinen mir nur wenige Momente mehr als Augenblicksmomente gewesen zu sein, wenn Ihr wisst was ich meine.  Sehr viel ist  einfach so an mir vorbeigerauscht und wenn man einen beliebigen Tag dieses Jahres mit einem anderen beliebigen Tag dieses Jahres vergleichen würde, gäbe es keinen nennenswerten Unterschied. Dieselben Abläufe, dieselbe Unentschlossenheit, dasselbe Chaos. Ich sterbe immer noch genauso langsam vor mich hin wie im letzten, vorletzten und überhaupt in den letzten Jahren. Ich habe mehr enttäuscht als ich enttäuscht worden bin.

Im außer-privaten Bereich hat kein großes tektonisches Beben stattgefunden. Doch gibt es zahlreiche Verluste, Menschen, Kultur- Menschen, die eine nicht zu schließende Lücke hinterlassen haben.  Eine neue Zeitrechnung hat begonnen: The Post-Philip Seymour Hoffman-Period. Sein Tod hat mich bis heute nicht losgelassen.

Irgendwie schwer, jetzt einen Übergang zu einer Liste zu finden, die eine Art Best-of darstellen soll. Es kommt für mich einer Quadratur des Kreises gleich, wenn ich bedenke, wie viele herausragende (aber natürlich auch schlechte) Filme und Serien ich dieses Jahr verschlungen habe. Grob geschätzt müssten es insgesamt über 400 gewesen sein. Was nicht unbedingt als Zeichen meiner Leidenschaft, sondern eher einer unkontrollierten DVD/Streaming Sucht geschuldet sein mag. Meine Kinobesuche lassen sich dagegen an einer Hand abzählen.

 

 

1. Best Film

The Wolf of Wall Street 

2. Best Superhero Movie

X Men: Days of Future Past

3. Best Young Adults Film

How I live now

 

4. Best Original Score Justin Hurwitz/ Tim Simonec Whiplash

 

5. Best TV-Show Leftovers

 

6. Best Title Sequence (TV) The Affair

 

7. Best Title Sequence (Movie) Godzilla 

 

8. Best Actor Timothy Spall

 

9. Best Actress Felicity Jones

 

10. Best Review Dietmar Dath (FAZ) über Interstellar („Fliehkraft liebt Schwerkraft“

 

11. Best Private Blog Review Katrin Doerksen („L’Âge d’Or“über Spike Jonzes‘ Her

 

12. Most Underestimated Film of the Year This is where I leave you

The ballad of Adam and Eve [Only Lovers Left Alive: Review]

 

 

Am Anfang war das Wort und das Wort war sinister.

Gleich danach kam Jim Jarmusch. Und seine Version von Endzeit-Adam und Eves, zwei sich der anderen Gattung, den „Normalsterblichen“,  angepassten Vampire, die Blut (weitestgehend) nicht mehr (aus)saugen, sondern wohldosiert aus Trinkgläsern (oder wie Eis am Stiel) goutieren (als Hauptquelle dient die Blutbank eines Krankenhauses; komisch-traurige Beschaffungskriminalität:Sequenzen). Das einzige Vampir-Klischee (außer man zählt das ebenfalls im Film auftauchende, aber doch eher angedeutete, übersteuertes Reaktionsvermögen dazu), das noch in die Jarmusch-Welt übernommen wurde, ist die edle Blässe dieser lichtscheuen Spezies. Sie bevorzugen Autofahrten und Spaziergänge durch nächtlich, prä:apokalyptisch verlassene Städte (Detroit, später auch Tanger), fast schon eine sehnsuchtsreiche Never:Ending:SightseeingTour (Jack Whites Geburtshaus: eine dieser vielen typischen Jarmusch-Anspielungen). Alles wie eine symphonische Klammer von einem gitarren:lastigen Soundteppich zusammengehalten, der ähnliche hypnotische Qualitäten wie Cliff Martinez‘ Drive-Komposition entwickelt.

Eine Story, die sich im Grunde genommen nur auf zwei Akteure konzentriert: Adam und Eve. Lovers… and too long-lived vampires.

Tilda Swinton (Eve) und Tom Hiddleston (Adam),  die sich in ihrer Rolle als Langzeitehepaar hervorragend ergänzen. Nicht zu vergessen  Mia Wasikowska und John Hurt , die aber beide einen (leider) etwas kurzen Auftritt haben.

Jedenfalls war sinister, nicht dunkel oder etwa düster, ein Begriff, der mir sofort dazu einfiel, und mich gleichzeitig an meinen ersten Jarmusch-Film erinnerte: Night on Earth (1991), der schon im Titel einiges verrät: auch hier sind es (hauptsächlich) Paar-Geschichten, also 2 Menschen, die Taxi fahrend und sich dabei (bevorzugt mit dem cab driver) unterhaltend durch nächtliche Großstädte bewegen. Ein herausragender Ensemblefilm, der viele der späteren Jarmusch-Ingredienzen beinhaltet: Musik als zweite Handlungsebene, skurrile Figuren und ein leicht verzögerter, narrativer Stil. Was bereits hier augenscheinlich wird: die Welt:Fremde, das Ent:rücktsein und die daraus resultierende Einsamkeit
(Only Lovers Left Alive hätte  auch Only Lovers Left Alone heißen können) und der unterkühlte, kluge Humor, der niemals aufdringlich oder erzwungen wirkt.

Noch etwas, das (mir zum ersten Mal) aufällt: die Detailraffiniertheit gewisser Szenen: Eve, die für eine Reise statt Kleidung ausschließlich  Bücher in Koffern packt, dabei wie zufällig gewisse, originalsprachliche Exemplare (u.a. Infinite Jest von D.F. Wallace,  de Cervantes‘ Don QuijoteVoyages et aventures du capitaine Hatteras von Jules Verne und ein Basquiat-Bildbandaufschlägt, und liebevoll-wissend mit ihren Fingern über einzelne Seiten fährt, so als wolle sie sich bereits bekannte Texte erneut verinnerlichen.

Jarmusch hat mit  Only Lovers Left Alive sein eigenes Genre weiter perfektioniert und mit diesem Film ein Werk geschaffen, das auf verschiedenen Ebenen funktioniert: als Anti-Vampir-Film, als kulturelle Referenz,  Schwanengesang einer dem Aussterben bedrohten Art oder letzten, langen Tanz zweier Ewig:Melancholiker.