riot rrreading list 03/15

“ Wenn der Junge, den ich liebte, sich erklären würde, würde er nicht die üblichen Dinge von sich geben, nicht, wie sehr er mich liebte, und er würde auch nicht auf die Knie sinken. Er würde sagen, dass er mit mir in einer monströsen Unterwasserexplosion sterben wolle. Dass er mich liebe bis hinter das schwammige Innere seiner Knochen.“

Ein paar Sätze aus Mary Millers  Roman Süßer König Jesus       [it’s a Metrolit!], eines der schon Anfang dieses Monats  von mir verschlungenen Bücher.  Eine grandiose Coming-of-Age-Story, die sich wie ein familiär-dysfunktionaler road trip liest: konservative Mutter, religiös fanatischer Vater, (schein)schwangere Schwester und eine verzweifelt nach Liebe (und erstem Sex) suchende 15jährige Icherzählerin.

Dann war da noch Paul Austers Bericht aus dem Inneren, der mir aber bei weitem nicht so gut wie seine sonstigen autobiographischen Romane gefallen hat. Unübertroffen bleibt nach wie vor sein Winter Journal, und vielleicht noch Hand to MouthBericht aus dem Inneren ist zwar ein Erinnerungsbuch, enthält aber leider nur im ersten Viertel wirkliche Einblicke in die Éducation sentimentale des Schriftstellers . Im weiteren Verlauf des Romans gibt Auster detailgenau und seitenlang die Geschichten zweier Filme, die ihn als Kind bzw. Jugendlicher begeistert haben, wieder:  I am a fugitive from a chain gang (1932) und  The incredibe shrinking man (1957). Nach ein paar weiteren Seiten ist das Buch dann auch schon zu Ende. Im unnötigen Bildanhang sind eine Menge SchwarzweißFotos zu finden. Naja …

Nichtsdestoweniger stehen im März noch diese Lektüren auf meiner Liste:

1. Clare Furniss: Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb. Ein Roman über jugendliche Trauerarbeit, dessen erste 100 Seiten sich ganz, ganz anders (zum Teil sehr ironisch) als Jennifer Castles Der Anfang von Danach lesen [eines der Werke, das wie ein schwarzer Diamant aus der Menge meiner im letzten Jahr konsumierten Bücher herausragt: melancholisch-depressiv, unaufdringlich, auch was die Sprache betrifft, ein sehr zurückhaltendes, ruhiges debut].

2. Bill Clegg:  Portrait eines Süchtigen als junger Mann/ Neunzig Tage Eine Rückkehr ins Leben. Ein New Yorker Literaturagent, der in diesen zwei Büchern den Kampf um seine Drogensucht schildert.

3. Kjell Westö: Geh nicht einsam in die Nacht. Ein Knausgård:dicker Roman eines finnlandschwedischen Autors. Ähm tja, irgendwie lese ich momentan viel nordische Literatur ?

4. Jochen Schmidt/ David Wagner: Drüben und Drüben.  Ein Buch, zwei Perspektiven einer deutschen Kindheit in den 1980ern: vor und hinter der Mauer.

5. Nic Pizzolatto: Galveston Mal sehen, ob Pizzolatto sein True-Detective-Niveau auch literarisch halten kann.

And just finished: Zadie Smith‘ London NW. Superlesenswertes Schriftgut (auch und besonders in der deutschen Übersetzung von Tanja Handels), in der es um konkurrierende Freundschaften, Karriere und das Über:Leben in einem Londoner BrennpunktStadtteil geht.

Zum Schluss hier als link  zum Nach- oder Erstlesen in voller Länge das original Rolling-Stone-Magazine-Interview, das Andy Greene Ende letzten Jahrs mit Stephen King geführt hat, und das aktuell (und natürlich auf deutsch) in der deutschen RS (CoverBoy King!, der auf dem Titel aber wie ein bemitleidenswertes, verletztes Reh aussieht: vielleicht liegt’s an den unvorteilhaft nach hinten gegelten Haaren, und der dadurch betonten hohen Stirn ?) erschienen ist.

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