cher[r]ish …

Irgendwann setzt sich die Welt nur noch aus den Farben Rot, Grün und Blau zusammen. Und nach 2 intensiven Wochenend-Tagen, die man mit Pflücken und Nichtpflücken reifer, sehr reifer, aufgeplatzter, blassroter, zu kleiner (nicht in die genossenschaftlich-vorgeschriebenen Formate der Sortierschablone passenden) und prächtiger, übergroßer Kirschen verbringt, ist (fast) Alles noch ein bisschen röter, runder und egaler. Das Universum schrumpft zu einer kleinen, kernhaltigen Masse. Man is(s)t so unglaublich vertieft. Das teilweise Schweigen der Anderen (Erntehelfer/Freunde/family members) passt sich der eigenen Gedankenleere an, kollektive Entspannungstherapie quasi, die nur vom Summen gieriger Insekten begleitet wird. 35° Celsius and more. Aber wozu gibt es Sonnenspray (sic!) und gekühltes bis lauwarmes Mineralwasser. Und so pflückt und flieht man … bis man so durchmeditiert ist, dass einem der Schweiß aus allen Poren bricht. Und es Zeit wird, aus der senkrechten Haltung (meist gestreckter Haltung, weil man ja auch an die höchstgewachsenen Früchte will; Hilfsmittel: 4 bis 5 Meter hohe Alu-Leitern, aber so todesmutig war ich dann doch nicht) in eine horizontale Lage wechseln will, also entweder Hängematte oder Freibad (seit gefühlt 3 Jahren wieder in einem öffentlichen Swimmingpool zu sein, ist ein historisch zweifelhafter Moment) …

Ein paar (Handy)Fotos, die aufgrund schlechter Qualität nur Beweischarakter haben: das letzte Bild stellt tatsächlich ein Zwergkaninchen dar, das nur den Eindruck erweckt, friedlich vor sich hin zu mümmeln, in Wirklichkeit aber genauso lebhaft wie streichelzart war:


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who am I, where & when & …?

Unbarmherzige Unruhe, die zur Unzufriedenheit anwächst und dann in Selbstzweifeln gipfeln könnte. Ja, wahrscheinlich wird genau das passieren. Seit über 4 Stunden sitze ich jetzt hier, starre auf das leere Textfeld,  zwischendurch unkoordiniertes Internetzapping, aggressiv verzweifelt werdend, trinke ich eine Tasse Tee nach der anderen (mein Bauch fühlt sich an, als müsste er gleich explodieren,  tut es dann aber doch nicht),  seitdem driften unterentwickelte  Gedanken auf dem Synapsenhighway von einem unerreichbar vagen Punkt zu einem anderen, weitaus entfernteren. Ich spüre, wie mich diese Unausgeglichenheit komplett erfasst, von Kopf bis Fuß,  bis in die letzte Pore vordringt. Was mir am meisten Angst macht: ich kann diesen Zustand nicht begrifflich fixieren; Unausgeglichenheit is only the tip of the iceberg. Es ist ein eingeschlossenes Warten, etwas, was über meinen normalen phlegmatischen Status  hinausreicht.  Mangelnde Impulskontrolle, maybe? Okay, ich hatte immer wieder längere Abschnitte einer Erstarrung, aber nie ist es mir so ins Bewusstsein gedrungen.

Ich kann nicht(s). Ich tue nichts. Und trotzdem bin ich: ein grässlicher Widerspruch …

 

 

 

 

der herbst, meine lieder …

Wenn ich die letzten Tage mit nur einem Wort beschreiben müsste, würde ich vermutlich verwahrlost wählen, in jeder Hinsicht. Wobei dieser Begriff trotz allem lediglich einen Teil meiner Kondition erfassen würde. Ich bin verwahrlost, gleichzeitig aber auch fast versteinert, und immer wieder den Tränen nah, die Grenze zur tatsächlichen Eruption erreiche ich nie. So widersprüchlich es klingt: es macht mich traurig, nicht (mehr) weinen zu können. Kann sein, dass mich die Fragen, die wie große Schneeflocken meine Gedanken umwirbeln, empfindungsschwächen. Irgendwann werden diese Flocken dann zu einer Lawine, die mich unter sich begräbt. Was ebenfalls paradox erscheint, weil ich es trotzdem  nach wie vor schaffe, Luft zu holen, zu atmen, obwohl der Sauerstoff immer knapper wird.

Dabei kommt es mir so vor, als ob Jemand, der mir rein äußerlich ähnelt, stellvertretend mein so genanntes Leben führt. Dieser Jemand ist ein Fremder. Wenn ich ihm gegenüberstehe und in die Augen blicken will, ist da erstmal nichts, in meiner schöngefärbten Einbildung dann höchstens zwei abgrundtiefe Löcher.

Und manchmal denke ich an ein Zitat von S. Freud, das sinngemäß lautet, dass Liebe Heimweh sei, und dann frage ich mich sofort, was das überhaupt ist, diese Liebe und dieses Heimweh und ob ich jemals geliebt habe, ich meine so absolut, aus vollster Überzeugung. Ob ich dieser Empfindung würdig bin. Und dann vermute ich, dass man im Grunde genommen im Liebenden immer sich selbst finden will, weil man Angst hat, sich zu verlieren, und dass es so etwas wie selbstlose Liebe nicht geben kann, weil jede/r auf Umwegen im Nächsten sich selbst sucht. Vielleicht ist das partiell menschlich, also egozentrisch so zu denken und möglicherweise gehöre ich zu dem exklusiven Kreis dieser verdammt gewissenlosen SichSelbstSucher. Auf alle Fälle schwingt ununterbrochen dieser Zweifel mit: an jedem und allem. Ich kann nicht eine Minute etwas aus dem Bauch heraus entscheiden, gleich drängt sich mein Kopf dazwischen, penetriert mein Handeln oder sperrt mich ein. 

Und doch weiß ich, dass es Momente gab, in denen ich mich in Liebe hingeben konnte. Schwerelos war und mich im Anderen auflöste, gar nicht mehr auf der Suche nach diesem Ich war, sondern uneingeschränkt loslassen konnte.

Irgendwann kam der Augenblick, in dem die Macht meiner Gedanken alles vergiftete , in dem ich Alles in Zweifel zog, Alles verneinte, mich für falsch hielt, für einen großen Lügner …

Mutmaßlich, ein selbstentzündlicher Teufelskreis.

It’s always the same, also lassen wir das.

Dieser Eintrag sollte ursprünglich auch davon handeln,  welche Ausweichmanöver ich in diesem Herbst unternehme , um jene mentale Autokorrektur zu überlisten, meine Gedanken, zumindest in einigen Momenten zu umschiffen und … ich abstreben kann, ein unverfälschtes Ich zu sein…

Das Einzige, was ich am Herbst mögen könnte, wäre die früher einsetzende Dunkelheit, der leichte bis schwere Regen, dem ich während der kurzen Strecken, die ich mit meinem Fahrrad zurücklege, ausgesetzt bin; die Kerze, die ich, sobald es dunkel wird, anzünde, und deren Licht dann Schatten auf mich wirft. Meine erste Orange, die ich angemessen feierlich schäle, deren Stücke ich so lange kaue, bis sie einen wirklich bitteren Geschmack annehmen …

Hauptsächlich sind es die Lieder, die mich begleiten, die mir vielleicht Trost spenden könnten, und dann doch wieder an eine vergangene Zukunft erinnern … Ich höre diesen Liedern zu und vermeide, mich darin zu projizieren.

[Die einzelnen Songtitel lassen sich anhören. Mit einem Klick gelangt man automatisch zu den entsprechenden YouTubeClips:]

1. k.d lang & bahamas / lost in the light

2. grizzly bear/ ready,able

3. the head and the heart/ shake

4. röyksopp & susanne sundfør/ running to the sea

5. bessie smith/ need a little sugar in my bowl

6. paul simon/ homeward bound

7. alela diane/ about farewell

8. randy newman/ feels like home

9. hilary hahn & hauschka/ draw a map

10. cecile mclorin salvant/ nobody

11. sidsel endresen/ shadows in the rain

12. mercury rev/ opus 40

13. the grates/ sweet dreams

14. clare and the reasons/ colder

15. valerie june/ the hour

16. forest swords/ the plumes

17. billie holiday/ fine and mellow

18. chiara mastroianni & benjamin biolay/ chanson de la pluie

19. max prosa/ im stillen

summertime blues …

Man könnte es als Zeichen einer inneren Verschleppung (so wie ich alles hinauszögere) deuten: diese Liste meiner Sommerlieblingssongs, oder der Songs, die ich verstärkt höre und hörte, erst heute zu veröffentlichen (ein irreführendes Wort, das gleichzeitig etwas zutiefst Selbstgefälliges hat, mir fällt nur gerade kein besseres ein), und die ganze Wahrheit ist, dass ich an dieser Zusammenstellung seit über einem Monat bastle, von  verschiedensten Stimmungslagen gelähmt oder zumindest zeitweilig aus der Bahn geworfen. Schließlich fallen mir immer wieder neue Lieder ins Ohr, die sofort wieder neue Lieder gebären. Das hört gar nicht mehr auf in meinem Kopf, aber es muss…

Immerhin ist es nun auch schon Spätsommer. Die Hitzewelle, der viele Schweiß und die Atemlosigkeit scheinen der Vergangenheit anzugehören und ich kann mich endlich auf die kommenden, schwer melancholisch und herbstlich geprägten Wochen (Monate?!) vorbereiten.

(Zum Anhören der einzelnen Titel muss man übrigens nur die jeweiligen Links öffnen):

1.  Death by Chocolate/ Tell me what you see

2.  Liza Flume/ Sleepless Nights

3.  Screamin‘ Jay Hawkins/ Whistling Past The Graveyard

4.  The Strokes/ Chances

5. Aretha Franklin/ You are my sunshine

6. Lary/ System

7.  Erlend Øye/ La Prima Estate

8. Austra/  Beat and the Pulse

9. Les Négresses Vertes / Face à la Mer (Massive Attack Remix)

10. Rebeka/ Melancholia

11. Youth Lagoon/ Posters

12. Ladyhawke/  Blue Eyes

13. De la Romance / Something

14. Oshen/ „en miettes“

15.  Nouvelle Vague/ Eisbär

16. Kim Deal/ Are you mine?